Einen Monat verzichten?

Wie macht Ihr das eigentlich mit der finanziellen Haushaltsführung? Am Monatsanfang kommt Geld rein und nachdem die Abbuchungen durch sind, wird so lange Geld abgehoben bis das Konto leer oder der Monat zu Ende ist?

In den letzten Jahren führte ich akribisch Buch über meine Ausgaben, die festen Ausgaben wurden in einer Excel erfasst, der Rest in einer Handyapp dokumentiert.
Im Grunde funktionierte das Recht gut, Sparziele die ich mir steckte konnten umgesetzt werden und zu jedem Zeitpunkt des Monats war klar, wo das Geld geblieben ist.
Seit 2015 vernachlässige ich jedoch diese Kontrolle. Zum Herbst letzten Jahrs gab es eine gute Lohnerhöhung und Dank Nebenjob kommen ja auch noch ein paar Euro extra rein, da sollte Ausgabenzählen der Vergangenheit angehören.
Mit dem „nicht mehr zählen/dokumentieren“ schleichen sich aber noch ganz andere, meiner Meinung nach negative Dinge, ein.
Es ist der generelle Umgang mit Geld.
Früher zum Beispiel: Joghurt A kostet 19 Cent, Joghurt B kostet 49 Cent. Vor dem Kauf des Cent Artikels, wurde abgewägt, ob die 30 Cent Differenz in einem gerechtfertigtem Verhältnis zwischen Qualität und Mehrpreis stehen.
Heute greife ich ins Regal, nehme mir einen Joghurt raus, ohne darauf zu achten was er eigentlich kostet … schließlich ist es nur Joghurt.
Es geht hier nicht um die 30 Cent des Joghurt, sondern um die generelle Grundeinstellung zum Thema Geld. Freitag und Samstag geht man mit der Freundin gut Essen, ins Kino und natürlich Shoppen … und am Monatsende wundert man sich dann, wie man so viel Geld verprassen konnte.
In dieser Konsumverschwendung schleicht sich dann auch noch eine Unzufriedenheit ein:
„Was andere Informatiker in der freien Wirtschaft erhalten, da brauche ich eigentlich 2 Jobs für..“, „vielleicht sollte man sich noch einen 3. Job zulegen, weil eine noch höhere Konsumverschwendung mich bestimmt glücklicher macht“.

First World Problems?
Ja und ich finde es erschreckend!
Ich mag es nicht, wie ich mich verändert habe und ich bemerke diese Änderungen auch in anderen Bereichen.
In der IT-Sicherheit zum Beispiel. Ihr kennt doch bestimmt den Film Rocky, also die Filmreihe.
Super Story, besonders der 1. Teil war grandios.
Ich fühle mich aktuell wie Rocky im 3. Teil zu Beginn des Films. Der smarte Boxer im Nadelstreifenanzug, dem die Titelkämpfe zugeschoben werden, damit alle zufrieden sind.
Früher war er der Boxer, der sich morgens 3 rohe Eier vor dem Joggen im durchlöcherten Jogginanzug reinzieht. Keiner da der ihn unterstützt, aber er wusste wo er hin möchte.

IT-Sicherheit früher: Im IRC abhängen, Webseiten, Hardware und Systeme analytisch betrachten und sich gemeinsam an den gescheiterten Sicherheitsfunktionen erfreuen.
IT-Sicherheit heute: Feedreeder lesen (Heise Sec …), Meetings, Tagungen besuchen, „sicherheitspatchen“ und Cyberstrategien entwickeln und umsetzen.
Ich versuche zwar immer, auch den anderen Gesichtspunkt der IT-Sicherheit in meine Arbeit mit einzubringen, sei es Schulungen, Workshops oder Vorträge die ich halte -> wie würde ein Angreifer vorgehen, was würde ich machen, wenn ich der Angreifer wäre.
Das praktische Suchen nach Lücken beschränkt sich leider auf die doch knapp bemessenen Urlaubstage, an denen man dann doch wieder irgendwas für die Arbeit macht.

Jetzt bin ich vom eigentlichen Thema abgeschweift … back to the roots ist ein Bedürfnis, dass ich aktuell verspüre. Wertschätzung an den kleinen Dingen und verantwortungsbewusster Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen.
Ab 01. November, werde ich wieder anfangen Buch zu führen, einen Haushaltsplan entwerfen und mit einem monatlichen Limit zumindest versuchen auszukommen.
Ich habe mir 320 € als Limit gesetzt. Damit wird das Essen, Sprit, Fortgehen und evtl. Kleidung die benötigt wird finanziert.
Ein sehr krasser Einschnitt zu dem was mir sonst zur Verfügung steht, für einen Großteil der Bevölkerung ist dies normaler Alltag.

3 Gedanken zu „Einen Monat verzichten?

  1. anonymerleserseit2jahren?

    gut dass du darüber einen artikel verfasst hast.
    ich habe auch seit über einem jahr in einer app buch darüber geführt.als mein handy vor 3 montaten kaputt gegangen ist hab ich es dann gelassen.
    seit dem bemerke ich auch, dass ich imemr mehr geld , total unreflektiert, raushaue.
    einerseits denke ich mir dass ist scheiße, weil ich damit meinen überblick verliere und kaum kontrolle mehr habe, andererseits denke ich mir dann dass viel sparen nichts bringt. lieber investiere ich in essen oder einen schönen abend mit der freundin.
    aber ab dem 01.11 fang ich auch wieder an!

    Antworten
  2. Martin

    Einfach am Anfang vom Monat alles (außer den Grundbedarf) zur Seite legen. Wenn man bereits in der Mitte vom Monat an die Rücklagen gehen muss schaft das durchaus ein Bewusstsein…

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*